L´Osteria – Das ungastliche Gasthaus

Gestern haben wir nun den Gutschein in der L`Osteria verfuttert. Also enttäuschend war es nicht wirklich, denn unsere Erwartungen waren ja, dank einer vorangegangenen Erfahrung nicht wirklich hoch. Aber seit gestern frage ich mich: Warum geht da überhaupt jemand hin?

Der Laden ist laut. Furchtbar laut, so laut, dass ich nicht eruieren konnte, was für Musik im Hintergrund spielte, geschweige denn, warum zu dem Lärm auch noch Musik dudeln musste. Man geht auch nicht einfach in das Lokal und sucht sich einen Platz, nein, man wird in Empfang genommen und zum Tisch geführt. Vorausgesetzt jemand findet sich, der dies tut. Das kann schon mal dauern. Hat man sich dann in die enge zugeteilte Sitzmöglichkeit gequetscht, der Blick auf die Karte. Antipasti, Insalati, Pizza, Pasta, Dolci, also sehr italienisiert, doch geht der Wunsch, das ultimative Italiengefühl zu vermitteln nicht so weit, dass die Spaghetti Carbonara originalgetreu angeboten werden, nein, es gibt die eingedeutschte Version mit Sahne. Wir nun, entscheiden uns für Pizza. Da die Tische klein, die Pizzen groß und das Werkzeug zum zerteilen nicht optimal ist, bitte ich darum, dass die Pizzen eingeschnitten werden.

Nun warten wir.

Einen Tisch weiter, sitzt eine große Gesellschaft und unterhält sich via SMS, 12 Leute starren und tippen auf ihren Smartphones herum, dass es eine Art hat. Könnten wir ja auch machen, nur nehme ich kein Telefon mit, wenn ich Essen gehe und Viktor hat gar keines. Mir kommt die Vermutung, dass wir schlicht zu alt für dieses Gastronomiemodell sind.

Die Pizzen kommen. Ich habe nichts gegen deren Größe, allerdings wäre es schön wenn die Teller ebenfalls von adäquatem Durchmesser wären und vielleicht aus Steingut, welches die Temperatur besser hält. Ach ja, wir erinnern uns, dass ich darum gebeten hatte, eingeschnittene Teigfladen zu bekommen. Es befanden sich auch einige Rillen im Rund, allerdings war es mehr eine Andeutung von Schnitten, der Rand, der es am meisten nötig gehabt hätte, war völlig unversehrt. Kaum war das erste Stück verzehrt, war der Rest kalt. Der Hunger trieb ihn hinein und geschmacklich ging es sogar. Kein Hit, aber ich habe schon schlechteres gegessen.

Es wird abgeräumt und ich bestelle einen Cappucino. Der ist schon lauwarm bei der Lieferung und kalt, nachdem ich es endlich geschafft habe, jemanden darauf aufmerksam zu machen, dass es fein wäre Zucker zu haben.

Die Bedienung war wahrlich bemüht, aber hatte viel zu tun. Das Angeduze, damit ich ja das absolute “du gehörst zur L`Osteria Familie Feeling” bekomme, konnte ich unterbinden in dem ich betont zurückgesiezt habe. Ich will nicht zur Osteria-Familie gehören.

Ehrlich, es war die Sache nicht wert, wir hätten den Gutschein verschenken sollen, nur verabscheuen wir niemanden so sehr, dass ein solches Geschenk gerechtfertigt wäre. Vielleicht bin ich ja auch einfach zu anspruchsvoll oder schlicht und ergreifend zu alt, für solche Läden. Kann ja sein. Ich verbinde essen gehen mit Gemütlichkeit, mit einer Auszeit vom Alltäglichen, etwas von dem ich erholt und nicht mit zerrütteten Nerven wieder nach Hause komme.