Entwarnung

Wie es aussieht, haben das Gesundschmusen und die gute Pflege geholfen. Suka geht es fürs erste wieder gut. Wir sind nicht so naiv zu glauben, dass es so bleiben wird, aber erst einmal ist sie wieder auf den Beinen. Alle Drei haben wir so richtig ausgeschlafen und den Tag ruhig angehen lassen. So wird er wohl auch ausklingen. Im Ofen gedeiht ein weiterer Spontan-Rumfort-Kuchen, diesmal Polenta-Zitrone, zu dem es in dem Sinne kein Rezept gibt, da ich ihn aus Bordmitteln und ohne abwiegen zusammengerührt habe. Ich werde aber berichten, ob er schmeckt oder nicht und im Kochbuch eine grobe Rezeptanleitung geben, sollte er gelingen.

Die letzte Woche war ja nahezu komplett von der Sorge um das kranke Kind absorbiert. Dauernd mussten wir rausgehen, die Bude wischen und experimentieren, welches Essen sie ab kann. Da war wenig Zeit und Lust ins Wolkenkukusheim zu steigen. Nun ist es ruhiger und es beginnt mich wieder in die Ideenwerkstatt zu ziehen. Heute will ich mich allerdings noch ausruhen und die Seele baumeln lassen. 

Auf dem Foto sieht man eine Installation der Kieler Künstlerin Katharia Kierzeck, die man in der Kieler Zentralbibliothek bewundern kann. 

Wieder einmal eine kurze Nacht

Für mich war die Nacht um 05:00 zu Ende. Suka vermeldete, dass sie raus wollte. Also schnell anziehen und die nötige Frührunde machen. Immerhin hatte sie vier Stunden durchgehalten und ich war schon recht zuversichtlich … bis sie ihr Frühstück wieder ausgekotzt hat. In wachen Momenten diskutieren wir immer noch, ob wir nicht doch zum Tierarzt gehen sollen, können uns aber nicht durchringen, weil wir befürchten, dass es, außer einem Haufen Kosten, nichts bringen wird. Im Grunde wissen wir ja was los ist. Sie hat einen Lebertumor, der sich wahrscheinlich in seine nächste Wachstumsphase begeben hat. Sie hat keine Schmerzen, so weit ich es beurteilen kann, also wozu die Prozedur? Mal ganz abgesehen davon, und das trifft mich besonders bitter, dass wir uns noch so einen Untersuchungs- und Therapiemarathon, wie vor einigen Wochen, finanziell nicht leisten können. Also bleibt es wohl dabei, wenn sie wirklich Schmerzen hat, geht es zum Tierarzt. Ansonsten wird sich einfach gut um sie gekümmert und Pfote gehalten.

Alles andere bleibt gerade liegen, da wir eigentlich rund um die Uhr mit der Ernährung, der Verdauung und der Sorge um Suka beschäftigt sind. In den wenigen Pausen fallen wir um, weil wir einfach zu müde sind, um uns zu irgendwelchen Arbeiten aufzuraffen. Ein wenig Lesen ist da schon das Höchste der Gefühle. 

Nachtschicht

Unser krankes Kind bedarf der Aufmerksamkeit. Auch Nachts. So bin ich denn gestern Abend früh ins Bett und habe bis 02:00 geschlafen und bin eine Runde mit Suka gegangen. Immer noch Durchfall. Zwei Stunden vorher war Viktor mit ihr draußen und wenn ich gleich ins Bett gehe, wird er aufstehen und gucken, dass unsere Maus raus kann, wenn es nötig ist.

Auch wenn der Anlass wach zu sein, kein schöner ist, so war es doch eine produktive Nacht. Ich habe geschrieben und bin ein Stück weiter gekommen. Doch langsam bin ich müde. Also noch einmal um den Block und dann ins Bett. 

Guten Morgen, Gute Nacht. 

Runde zum Besinnen

 

Ich muss gestehen, ich fühle mich gerade sehr hilflos. Es ist wie früher, wenn Jenni krank war und nicht sagen konnte was ihr fehlte. Es scheint Suka ein wenig besser zu gehen. Der Hüttenkäse und ein wenig Schonkost sind drinnen geblieben, allerdings hat sie immer noch Durchfall. Was ich ziemlich sicher weiß ist, dass es keinen Zweck hat zum Tierarzt zu gehen, zwei Stunden mit der kranken Maus dort warten und dann etwas Ähnliches wie Perenterol zu einem horrenden Preis vertickt zu bekommen, plus ein hilfloses Achselzucken, müssen wir uns nicht geben. Und doch drängt es mich irgendwie dorthin, nur um was zu tun … nur damit jemand sagt: “Es wird alles gut.” Dabei weiß ich sehr genau, dass es das nicht wird. Die Krankheitsphasen häufen sich. Sicher zwischen drin geht es ihr gut und sie hat Spaß, aber diese Pausen sind immer kürzer und die Krankheitsperioden immer länger. Heute haben wir beschlossen, dass wir sie nicht mehr alleine lassen. Also für einen längeren Zeitraum. Das bedeutet im Klartext, dass wir erst einmal nicht gemeinsam zu den Kindern fahren werden. Was sehr schade ist, stehen doch gerade jetzt diverse Geburtstage an.

Da es mich immer beruhigt, wenn ich Bücher um mich habe, sind wir zur Bücherei. Musste ich eh hin, weil meine Vorbestellung Mittagsstunde von Dörte Hansen da war. Ein Buch auf das ich mich schon sehr freue und welches ich sofort in Angriff nehmen werde, sobald ich die letzten 500 Seiten von, Ketil Björnstads Die Welt die meine war – die 60ziger Jahre, durchhabe. Ein Buch, das ich bereits jetzt uneingeschränkt empfehlen kann. 

Meine eigene Erkältung hält sich in Grenzen. Die Hühnersuppe und die heiße Zitrone haben gewirkt. Jedenfalls hoffe ich, dass es so ist und die Erkältung sich nicht nur einen Tag frei genommen hat. Die Runde zur Bücherei und zum Widerhaken hat gut getan. Nicht nur mir, auch Suka und Viktor. Den nimmt unser krankes Kind auch sehr mit. 

Alles Scheiße

… aber auch mit Kotze dabei. So sah heute morgen unsere Wohnung aus. Um 06:30 ging Viktor auf die Toilette und gab Alarm. Suka hatte wohl eine schlimme Nacht. Also haben wir erst einmal eine Grundreinigung gemacht, die Dame gelüftet und dann noch einmal Hüttenkäse mit Ei und diesmal Perenterol (Durchfallmittel) gekocht. Nun ist es kurz nach 09:00 und ich muss wieder zu Bett. So langsam weiß ich nicht mehr weiter. Jetzt warten wir heute ab, ob das Perenterol anschlägt, aber ich habe das Gefühl, dass wir in die nächste Phase treten. Allerdings bringt auch der Gang zum Tierarzt nicht viel. Denn der steht ja auch nur da und zuckt die Achseln. 

Wackelig

Es ist so verdammt anstrengend, dieses ewige Auf und Ab. Gestern noch in ich fröhlich und ohne große Anstrengung spazieren gegangen und heute liege ich flach. Erkältet, müde, erschöpft, nur zum Hühnersuppe kochen werde ich mich aufraffen, obwohl die eigentlich finanziell nicht mehr drin ist. Muss eben alles andere ein wenig knapper ausfallen. Jedenfalls wird meine Suppe aus einem Bio-Huhn gekocht. Suka kriegt auch was ab. Die macht uns wieder Sorgen.

Gestern hatte sie wieder gekotzt und auch Durchfall, alles natürlich hier in der Bude. Das kam so plötzlich, da konnte sie wirklich nichts für. Also gestern Abend mehrfach raus und heute Morgen gleich als erstes. Es scheint besser zu sein, aber sicherheitshalber haben wir sie noch einen Tag auf Diät gesetzt, Hüttenkäse mit gekochtem Eigelb, Honig, Öl und etwas Salz und nachher ein wenig Huhn mit Reis.

Auch wenn sie nicht mehr spuckt, richtig fit ist sie nicht. Liegt sehr zusammengerollt und drängelt nicht auf Futter, auch wenn sie es frisst, wenn es da steht. Wie es aussieht werden wir wohl beide nach dem Suppe kochen zu Bett gehen und uns pflegen.

Ruhe kehrt ein

Nach einigen recht aufregenden Tagen wird es langsam ruhiger. Ich schlafe wieder besser, meditiere wieder mehr und rede mit Viktor. Nicht über alles, aber doch so weit es eben geht. Auch die Lust zum Schreiben ist wieder da. Also ein guter Zeitpunkt den Schreibtisch neu einzurichten. Der linke Rechner ist rein zum Schreiben und für Fotobearbeitung, das Thinkpad ist für Internet und Recherche. Also ein richtiges Cockpit. 

Ich bin nun nicht so blauäugig zu glauben, dass ich mit allem durch bin. Aber ich habe die Hoffnung, es ohne Medikamente zu schaffen. Wie es denn letztendlich aussieht, wenn ich in Therapie bin, wird sich zeigen. Zur Zeit ist es so und eine meiner Übungen ist ja im Hier und Jetzt sein. 

Suka lässt es auch ruhig angehen und genießt die nahezu sommerlichen Temperaturen auf der Terrasse. Es ist so schön, dass es ihr soviel besser geht. 

Zu essen gibt es heute eine Art Bolognese mit mexikanischen Einschlag. Also es ist Mais drin und Schwarzkümmel. 

Habt es schön und danke für eure lieben Worte zu meiner Krise.

Holzaktion

Seit zwei Tagen ist Viktor am Holzssägen. Der Gute. Nachbar Bernd hatte von einem Laden gehört, der zumacht und unbehandelte Regale loswerden wollte. Die hat er mit jemanden abgebaut und hergebracht und Viktor macht sie nun klein. Das bedeutet, dass wir einen ganzen Teil unseres Winterholzes schon einmal haben. Was fein ist. Allerdings habe ich dafür Hund und Küche quasi alleine an der Backe. 

Mir hat es viel Spaß gemacht, mal wieder zu backen und zu kochen, also mehr als das was unbedingt muss. Dem perfekten Hefekranz bin ich sehr nahe gekommen. Der Teig muss noch ein wenig saftiger. Dann ist es das. 

Wie nötig ich “Raus aus der Demenzfalle” brauche, hat sich gerade gezeigt. Ich hatte völlig vergessen, dass ich es bestellt hatte. Doch gut, nun ist es da und ich bin gespannt. Dass ich das Buch holen musste, bedeutete gleich einen schönen Spaziergang für Suka. Allerdings macht die mir wieder Sorgen. Sie nimmt ab, obwohl sie gut frisst und sie ist wieder sehr antriebslos, pinkeln ist auch wieder mehr. Ich habe schon mal sicherheitshalber Harnwegmix bestellt. 

Hamburg Blues

Gestern waren wir also in Hamburg. Es war so schön mit den Kindern. Die Hinfahrt allerdings war nervig. Ich wollte gerne recht früh los und hatte dabei nicht bedacht, dass um 11:02 die ganzen Kreuzfahrer*innen auf Rückreise sind. Also alles voller Trollies und Menschen, die gestresst vom Urlaub waren und noch gestresster bei dem Gedanken, dass vor ihnen noch zwischen 4 und 7 Stunden Bahnfahrt lagen. Gut das ich das Strickzeug mit hatte. Ich kann ja nicht so gut mit Menschen in Mengen, da hat das gut abgelenkt. 

In Hamburg sind wir noch schnell ins Café Peukert gehüpft, um die Kinder und uns mit feinem Kuchen zu verwöhnen. Der ist wirklich toll. Die Nusscreme-Torte ist mein absoluter Favorit. 

Mit den Kindern war es richtig schön. Meine Enkelinnen hatten beschlossen mich neu einzukleiden und haben mir in der Tauschbörse Klamotten besorgt. Zwei Pullover sind fein, aber das Poloshirt in Rosa, nee, das habe ich gleich an Nachbarin Tania weitergereicht, die es denn in die Kleiderkiste im Kieler Fenster gibt. Tania wurde ihrerseits von den Mädchen beschenkt. Sie sorgt gut für die Beiden, indem sie Bücher und Zeug mitschickt und unsere Gören haben noch gelernt dankbar zu sein. 

Interessant war mal einen der Spielkameraden der Damen kennenzulernen. Linus, ein Junge aus der Nachbarschaft, war da und was soll ich sagen, der Kleine ist ein Argument für Geburtenkontrolle. Er ist übergriffig, besserwisserisch und unbeherrscht. So ein richtiges Arschlochkind. Jenni wunderte sich, dass er so gerne bei ihnen ist, obwohl sie ihm klare Grenzen setzt. Mich mochte er auch, obwohl ich ihn ein paar Mal klar, natürlich nur symbolisch, auf die Finger geklopft habe. Meine Theorie ist, dass er so gerne bei Jenni und den Kindern ist, hat genau damit zu tun. Dort kriegt er Grenzen aufgezeigt. Von allen Dreien, na ja und wenn ich da bin und mein Scherflein beitragen kann … gerne doch. 

Die Rückfahrt war deutlich entspannter. Da mein Fuß, wieder die Achillessehne, mittlerweile so schmerzte, dass ich nicht mehr weit laufen konnte, haben wir uns zum Dammtor ein Taxi genommen und fanden im Zug ein lauschiges Eckcken in Klonähe. Die ganze Fahrt über konnten wir uns über dieses wundervollen Himmel freuen. Eine Pracht. Bilder aus dem Zugfenster sind ja immer eine Sache, aber dieses, ist einigermaßen gut gelungen. 

Heute allerdings liege ich in sauer. Kopfschmerzen, Schnupfen, Achillessehne. Kurz den Hamburg-Blues und keine richtige Möglichkeit mich zu erholen. Morgen muss ich in die Zahnklinik und habe dort mehr oder weniger den ganzen Tag zu tun. Ich würde so gerne einmal wieder gesund sein. Darum werde ich mich schnellstens kümmern, sowie ich nicht mehr dauernd irgendwo hin muss. 

Reisevorbereitungen

Das Foto hat zwar nichts mit dem Titel zu tun, aber egal. Hier sieht es aus, als wenn wir ausziehen. Was sich immer alles ansammelt, was zu den Kindern soll. Einmal möchte ich nur mit meiner Kameratasche nach Hamburg fahren. Überhaupt immer eine merkwürdige Sache. Ich freue mich so sehr auf die Kinder, aber ich bin jetzt schon genervt von der Bahnfahrt, besser gesagt von dem Gewusel auf den Bahnhöfen und immer schön die Uhr im Blick zu haben, damit man die entsprechenden Züge erwischt. Sicher mit dem Auto würde das, plus die Schlepperei, entfallen, dafür dann Stau, Baustellen usw. Reise ist doch arg überschätzt finde ich. Aber ich habe den Besuch schon so lange aufgeschoben und nun muss es mal sein. Das nächste Mal können die Gören hierher kommen.

Überhaupt zieht es mich sehr nach Innen. Seit einigen Tagen sage ich öfters Sachen wie, wenn wir in Hamburg waren und wenn ich mit der Zahnklinik durch bin, dann ziehe ich mich zurück, dann erst einmal keine Termine und keine Unruhe. Es ist auch einfach die Zeit. Ab Lughnasad ziehe ich mich noch mehr vom Außen zurück. Dieses Jahr wahrlich verdient. Denn ich habe einiges hinter mich gebracht. Arzttermine ohne Ende. Mich diversen Ängsten gestellt, mehrfach Ausflüge unternommen. Letzteres war natürlich schön.

Heute vor einem Jahr haben wir die Urne meines Schwagers in der Ostsee versenkt. Außerdem ist heute unser Jahrestag. Seit 14 Jahren sind Viktor und ich nun zusammen. Die schönsten Jahre meines Lebens.