Gedenken

Am 27. Januar wurde wieder einmal der Befreiung von Ausschwitz gedacht. Dabei fiel mir etwas auf, das Hauptthema war die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung. Alle anderen, die ebenfalls unter den Nazis und ihrem Rassenwahn gelitten haben, kamen eher am Rande vor. Ich will nun keinesfalls des Leid der Juden schmälern, sicher, sie waren die größte Bevölkerungsgruppe, doch ich möchte an dieser Stelle auch der 500 000 Sinti und Roma gedenken, die ebenfalls den Tod fanden und die, auch noch im Lager, erbitterten Widerstand leisteten.

Entgegen der Propaganda des 3. Reiches, waren Sinti und Roma vor der Machtergreifung der Nazis in das gesellschaftliche Leben integriert, sie lebten in Gemeinden, kämpften im 1. Weltkrieg, sorgten für ihre Familien, gingen in die Kirche und zogen ihre Kinder auf.

Für viele war es auch nach der Befreiung alles andere als einfach. Das Rote Kreuz brachte damals viele KZ-Überlebende in neutrale Länder wie Schweden. Dort sollten sie sich erholen. Während Juden und Jüdinnen ohne Probleme Aufenthaltsgenehmigungen bekamen, wurde Sinti und Roma diese verweigert. Denn auch in Schweden war man überzeugt, dass diese Wäsche klauen und kleine Kinder entführen. Rassismus ist kein deutsches Problem, sondern ein nationales.

In diesem Zusammenhang möchte ich ein Buch empfehlen: Ich heiße nicht Miriam von Majgull Axelsson übersetzt von Christel Hildebrandt

Heute morgen bin ich in den Hiroshimapark hier in Kiel gegangen, um den Gedenkstein für die Sinti und Roma, die im Nationalsozialismus ermordet wurden, zu fotografieren. Dabei kam ich an der Stele vorbei, auf der in vier Sprachen steht “Möge Frieden auf Erden sein”. Das wünsche ich mir genauso, wie wahrscheinlich die meisten Menschen auf der Welt. Warum also ist das nicht möglich? Warum fällt es uns so schwer, das zu sehen, was uns verbindet? Warum betonen wir das Trennende? Warum fällt es so schwer, alle Menschen als gleichwertig anzusehen?

7 Kommentare zu „Gedenken

  1. Ich finde das richtig, was du machst: Du begibst dich selber auf Spurensuche, machst dir deine eigenen Gedanken und findest eine eigene Meinung. Wie oft lassen wir uns in Gedankenmuster zwängen, die eben nur dafür geschaffen wurden, Meinung vor zu geben.
    Es macht auch mir Sorge, dass wieder so viele “nationale” Süppchen gekocht werden. Überall.
    Liebe Grüße in den Norden.

    1. Ja das nationale Süppchen macht mir auch Sorgen, besonders da es Europaweit brodelt. Ich mache mir gerne Gedanken. Auf dem Thema kaue ich schon seit dem 27. Januar herum (eigentlich jedes Jahr). Alles Liebe Karin

  2. Der Hiroshimapark steht hiermit dann auch auf meine To-do-Liste für Kiel. Ja, die Sinti und Roma, aber auch die Homosexuellen und andere, vom Rassenwahn Verfolgten, kommen oft nicht vor. oder werden eher am Rande erwähnt.

  3. Das ist nicht weit von deiner Wirkungsstätte. Ich denke du wirst in dem Gebäude der Nordkirche am Kloster zu tun haben. Von da ist es gleich ums Eck (na ja 1 1/2 Eck). Ach ja, von deinem Hotel zum Kloster kommst du auch beim Café Fiedler vorbei. Ähnliche Qualität wie Peukert.

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