Gewalt

Das Thema Gewalt interessiert mich schon lange und im Moment besonders. Wir leben in einer Gesellschaft deren funktionieren von Gewalt bestimmt wird. Einerseits lernen wir, wir sollen uns alle lieben, allerdings mit Einschränkungen, kommt die Botschaft aus einem religiösen Kontext, ist der Andersgläubige schnell schon mal als zweitklassig einzustufen und zu bekämpfen. Gewalt findet aber auch im Namen der „Liebe“ statt. Kindern und Frauen gegenüber ganz extrem. Es liegt in der Natur der Sache, dass wir das, was wir erfahren haben weitergeben. In meiner Kindheit war es normal Kinder zu schlagen, sie herabzusetzen, sie nicht ernst zu nehmen in ihren Belangen und permanent über ihre Grenzen zu trampeln. Dabei waren meine Eltern schon sehr viel kulanter und verständnisvoller, als ihre durch zwei Weltkriege traumatisierten. Ich wiederum war meiner Tochter gegenüber noch kulanter und habe sie nicht geschlagen, sie nicht gezwungen zu essen was sie nicht mag, ertappte mich aber oft dabei psychisch auf sie einzuwirken. Hatte übrigens oft damit zu tun, dass sie ja, wie auch ich, funktionieren musste, in einem Schulsystem in einem durchstrukturierten Alltag. Besonders die Schule war da ein wichtiger Punkt. Gut, zu J. Zeiten wurde nicht mehr geschlagen und mit Schlüsselbünden nach Schülern geworfen, aber trotzdem, da waren Vergleiche, Zensuren, da gab es die „Auszeit“ und sehr viele Disziplinierungsmaßnahmen, die den lieben Kleinen klar machten: Sowie du bist, bist du nicht richtig.

Was mir immer mehr auffällt, ist diese Diskrepanz in der wir leben. Einerseits wird verkündet, seit nett, hilfreich und gut zu euren Mitmenschen und gleichzeitig, gilt es seine Ellenbogen zu benutzen, besser zu sein, die eigene Performance zu optimieren und das mit allen Mitteln. Wir tun uns selber, und lassen uns, von anderen eine Menge Gewalt antun, um einen Platz ganz vorne zu haben.

Gestern habe ich mir in der Mediathek die Sendung Scobel zum Thema Psychische Gewalt angesehen, besonders, weil ich mich für Ausstiegsmöglichkeiten aus dieser Gewaltspirale interessiere und war sehr gespannt. Da ist einiges in Gange um Eltern, zukünftige und bereits gewordene, zu unterstützen ihre Erlebnisse nicht an ihren Nachwuchs weiterzugeben. Es gibt wunderbare unterstützenswerte Projekt für Schüler*innen, die zeigen, wie man mit Mobbing und Attacken verbaler Gewalt umgeht … und doch, kam mir der Gedanke, eigentlich müssten wir die gesamte Menschheit austauschen und noch mal von vorne beginnen.  Aber es macht Hoffnung, dass sich überhaupt was tut.

11 Gedanken zu „Gewalt

  1. Ach ja, ein so wichtigesThema, über das kaum gesprochen wird, weil es im Privaten und Verborgenen ist.
    Meine Kinder haben mir neulich gesagt, dass sie eine schöne Kindheit hatten. Das hat mich gefreut, denn einfach war es nicht, voll berufstätig mit drei kleinen Kindern und einem pflegebedürftigen Vater. Wir haben aber einfach viel Zeit miteinander verbracht, kannten uns gut und wussten, wie jeder zu nehmen ist. Über manche Begebenheit lachen wir heute immer noch.
    Meine Mutter wollte mich nicht haben, damals, und das hat sie mir schon als Kind gesagt und auch so gehandelt. Suchte ich Schutz und Wärme, schob sie mich weg. Bei jeder Gelegenheit wurde ich abgestraft. Das wollte ich bei meinen Kindern ganz anders machen. Offensichtlich ist mir das auch gelungen.
    Als ich im Hort arbeitete, war das größte Lob für mich, wenn mich die Kinder an der Hand nahmen und in ihre Aufregung riefen: „Mutti, Mutti, komm mal mit! Wir wollen dir was zeigen.“
    Ein Freund sagte mal zu mir, dass ich ein Sozialschlaffi bin, höchstens dazu zu gebrauchen, anderen im Krankenhaus den A. abzuwaschen. Ich habe ihm gesagt, dass er darauf achten soll, dass er nie wieder in meine Nähe kommt. Er würde schmutzig bleiben. Das beendete eine Freundschaft, beseitigte aber nicht das Problem, wie man sein sollte, um „erfolgreich“ zu sein.
    Liebe Karin, ich drück dich mal aus der Ferne, wenn ich darf.

  2. Ein Thema, mit dessen Spätfolgen ich mich auch gerade mal wieder auseinandersetze. Ich kann das nicht ohne professionelle Hilfe, bzw. nehme mir die, weil es für mich dann leichter ist und ich einen geschützten Rahmen habe. Es ist ein Thema, das sich durch mein Leben zieht und auch nie ganz weg sein wird, aber ich habe in Teilen gelernt damit zu leben. Dank intensiver Traumatherapie. Ich bin nicht geschlagen worden, aber ich habe eine andere Form von Gewalt erlebt, über die ich hier nicht schreiben möchte

      1. Danke <3 Ich habe einen super Begleiter, seit Jahren. Lange war Pause, aber jetzt hocke ich wieder regelmäßig bei meinem Therapeuten (was ich aber mit Kuchen holen bei Peuckert verbinden kann 🙂 ) und so schmerzhaft die Aufarbeitung ist, so gut tut mir der Rahmen, den er mir bietet, sein Feedback und seine Unterstützung

          1. Was das angeht, hatte ich immer riesiges Glück. Mein erste Therapeutin vor bald 30 Jahren war ein Glücksgriff, die Klinik, in der ich auf ihr Anraten zweimal war (einmal vier Monate) war meine Rettung und der Mann, bei dem ich jetzt auch schon seit über 15 Jahren bin, ist auch super. Wir haben schon vieles wirklich heftige beackert und sind uns einfach sehr vertraut. Deshalb geht es selbst bei meinem momentanen Thema mit einem Mann, aber nur mit ihm

  3. wir hatten kurz vor meinem schluss noch so was ganz heftiges
    und da denk ich dann dass schlagen was ist wo man drüber sauer sein kann
    was man erzählen kann voll empörung
    alles andere ist so arg viel schlimmer – unaussprechlich – doppelt und dreifach verletzend
    ich brauche noch eine zeit mir das video ansehen zu können

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