Prokrastination

Während ich “Tore” überarbeite, blubbern Ideen für ein neues Projekt in mir auf. Genau genommen hat blubbert es bereits seit einigen Wochen und nun ist die Zeit gekommen mit einem ersten Entwurf einiger Szenen, Ortsbeschreibungen und Charaktere zu beginnen. Doch wie immer schwanke ich zwischen: “Jau, toll es geht los” und “… aber erst muss alles drumherum stimmen”. Damit ist gemeint, das neue Projekt braucht ein eigenes Notizheft und selbstverständlich den richtigen Stift. Also die Füller und Stifte rausgesucht, die in Frage kommen und im Tagebuch ausprobiert, welcher die Ehre haben soll. Der untere Bleistift ist ein Mitbringsel aus dem Noldemuseum in Seebüll. Doch mit Bleistift schreiben? Die sind so dünn. Trotzdem verlockend. Wie auch der Stift mit dem Schnurrbartradiergummi und dem Spruch “Da Da war da bevor Da Da da war”, aber nein … so ganz das Richtige sind sie nicht. Allerdings können sich sowohl der Nolde als auch der Dada nützlich für kleinere Skizzen erweisen, mit denen ich gerne meine Notizen anreichere.

Doch weiter. Der schwarze lange Füller mit der roten Klemme liegt wunderbar in der Hand, hat allerdings eine sehr breite Feder und bei meiner Schrift ist das nicht gut, habe es schon so schwer genug, man Gekrakel zu entziffern.

Der rote Füller hat die richtige Federbreite, liegt aber nicht so gut in der Hand, da er eine recht glatte Oberfläche hat und ich leicht abrutsche.

Der lila Füller wiederum hat eine leicht angeraute Oberfläche und schreibt sich toll. Allerdings ist die Feder ein wenig zu schmal.

Der Kugelschreiber? Ach ich weiß nicht. Irgendwie schreit dieses Projekt nach Tintenfüller.

Da ich mich nicht entscheiden konnte, also endgültig, habe ich alle Stifte zusammen in einen Becher gestellt. Fürs erste werde ich mit dem lila Füller mit violetter und dem roten Füller mit schwarzer Tinte schreiben. Jeden Tag abwechselnd. Den schwarzen kann ich vielleicht für die Überschriften und Stichworte nehmen. Da kommt denn eine Patrone mit roter Tinte rein. Die anderen Stifte lasse ich mit im Becher, damit sie sich nicht vernachlässigt und ausgestoßen fühlen. Für das neue Projekt habe ich Athene gebeten die Schutzpatronin zu sein und zu Heft und Stiften die Eule, das Markenzeichen der Göttin, gestellt.

Leicht war es ein passendes Notizheft zu finden. Wie immer Moleskine, Softcover XL, liniert.

Wer hatte gedachte, dass das Schreiben so viele Vorbereitungen erfordert. Man sollte doch denken, irgendein Papier, irgendein Stift und los. Ach ihr ahnungslosen kleinen Engel … so geht das nun wirklich nicht. Obwohl ich in Momenten der Aufrichtigkeit zugebe, dass es natürlich so ginge, dass nicht das Projekt dieses Rituale braucht, sondern ich. Aber da ich mich lieb hab, erlaube ich mir so kleine Eigenheiten. Kann mir einfach nichts abschlagen.

Vollzeitschreiberin

Nachdem ich nicht mehr Verlegerin bin und Fotografie und Malen eher Hobbys sind, werde ich mich nun aufs Schreiben konzentrieren. Erst einmal werde ich mich den Unvollendeten Werken widmen und die fertig machen und dann geht es weiter mit den neuen Ideen, die ich schon einmal skizziere. Komisches Gefühl. Ich muss gestehen, ich weiß nicht so richtig, wie ich mich fühle. Es ist ja das, was ich immer wollte. Schreiben! Habe mich aber immer wieder ablenken lassen und nichts fertig bekommen. Vielleicht war da auch die Angst, nicht zu genügen? Kann sein. Die eine oder andere Kurzgeschichte ist ja kein Thema, aber einen Roman … oder zwei … oder drei? Jedenfalls ist es nun so und natürlich muss ich mich auch den diversen damit verbundenen Aktivitäten, wie Öffentlichkeit und Werbung widmen. Die Bereiche die mir am schwersten fallen, verbringe ich doch am liebsten meine Zeit im Wolkenkukusheim.

Interessanterweise glaube ich, dass ich diese Entwicklung dahin auch dem Yoga verdanke. Denn seit ich täglich übe und meditiere bin ich fokussierter.

Auf dem Foto sieht man übrigens Amsela, die Amseldame die sehr zutraulich geworden ist. Sie kommt zu den Mahlzeiten, die wir auf dem Balkon einnehmen und auch schon mal in die Küche, wenn diese zubereitet werden.