Vom Sinn und Unsinn des Tagebuchschreibens

Jeden Morgen, zwischen Meditation und Rechner anschalten, schreibe ich Tagebuch. Schreibe auf, welche Tageskarten ich gezogen habe und dann einfach drauflos. Ich nenne es: den Müll raus bringen! Was anderes ist es nicht. Wer glaubt, beim Lesen meiner Tagebücher auf irgendwelche dunklen Geheimnisse zu stoßen, wird enttäuscht werden. Oft handelt mein Schreiben am Morgen davon, was ich gerade für einen belanglosen Mist schreibe. Und doch möchte ich es nicht missen. Es hilft mir klarer zu sehen, wenn der Müll erst einmal aus dem Weg ist. Ich lese so gut wie nie in früheren Aufzeichnungen, was auch daran liegt, dass meine Handschrift, selbst für mich, kaum leserlich ist.

Wirklich Neues gibt es nicht. Ich bin erkältet und werde gleich ins Fresco gehen, um mich mit Hannah Steenbock zu treffen. Dann wieder nach Hause und früh ins Bett.

Beim Stricken höre ich gerade “Der Herr der Ringe”, mein allerletzter Versuch heraus zu bekommen, was an diesem Buch so besonders sein soll. Mit “Die Gefährten” bin ich fast durch und dachte mehrfach: Ich hätte dem Stoff einen besseren Schriftsteller als Tolkien gewünscht. Dann frug ich mich, ob es vielleicht an der Neubersetzung von Wolfgang Kreuel liegen könnte, denn da ist einiges unstimmig. Zu heutig für den Stoff, zu flapsig, am schlimmsten auszuhalten sind die Lyrikpassagen. Also werde ich mir die englische Fassung noch einmal vornehmen und das überprüfen.

8 Kommentare zu „Vom Sinn und Unsinn des Tagebuchschreibens

  1. Hab die Übersetzung von Margaret Carroux gelesen. War okay, habs aber trotzdem nict komplett geschafft. Ist auch schon lange her. Das Hörspiel, was im Hörverlag erschienen ist, finde ich gelungen. Waren 9 MCs oder so, gibt es auch als 11 CDs.

  2. Was du schreibst über das morgendliche “Müllrausbringen” finde ich sehr interessant. Vom Tagebuchs hreiben hatte ich bestimmt immer eine völlig falsche Vorstellung. Tagebuch wollte ich nicht schreiben, weil ich doch so wieso lüge. warum eigentlich nicht.

    1. Eigentlich ist es auch kein Tagebuch schreiben, es gibt da diese Technik des Morgenseiten schreibens, die Julia Cameron in “Der Weg des Künstlers” beschreibt (und Dorothea Brandes schon sehr viel früher). Mensch schreibt einfach drauf los, alles was gerade so durch die Birne flitzt. Der Gedanke dahinter ist, wenn der Müll erst einmal draußen ist, dann kommt mensch an die interessanten Sachen. Und lügen? Tja, um es mit Ingvar Ambjörnsen zu sagen: Ich bin Schriftsteller, also lüge ich berufsmäßig)

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