Wenn ich des morgens früh aufsteh

Nein, dann gehe ich nicht notgedrungen spazieren, sondern greife mir Stift und Heft und schreibe. Aber warum bin ich nun früh hoch? Ich hatte eine sehr schlechte Nacht, mit Panikattacken. Um 05:00 lag mir ein Amboss auf der Brust und da bin ich aufgestanden, weil an weiterschlafen eh nicht zu denken war. Wieder einmal plagen mich Existenzängste und lassen mich nicht zur Ruhe kommen. Diesmal hat es weniger mit direkten finanziellen Nöten zu tun, sondern eher mit der Tatsache, dass die Chance mich wenigstens soweit selbst finanzieren zu können, dass es mit der knappen Rente reicht, die ich irgendwann bekomme, geringer wird. Der Plan war ja, wenigstens für einige Zeit, soviel zu verdienen, dass ich keine Grundsicherung beantragen muss, wenn es einmal so weit ist. An manchen Tagen überlege ich, ob es nicht sinnvoller wäre das Gewerbe abzumelden und aufzuhalten mich abzustrampeln. Es ist einfach enervierend. Mit dem Schreiben lässt sich nichts verdienen, mit dem Tarotberatungen auch nicht mehr.

Dabei wird alles immer teurer und lässt sich durch ALG II Erhöhung kaum noch auffangen. Es gibt so Tage an denen ich mich frage, warum ich mir das eigentlich antue. Also das Bioleben. Warum nicht einfach A**i und L**l und vielleicht sogar mal nicht am 15. pleite sein. Vielleicht sogar mal genug übrig zu haben, um zu einer Veranstaltung zu gehen. Ich interessiere mich gerade für eine Lesung im Kulturforum “Die Messerkönigin” von Neil Gaiman, gelesen von Oliver Rohrbeck, 24,00 € Eintritt keine Ermäßigung. Das ist ganz simpel nicht drin. Soviel zur Teilhabe am kulturellen Leben mit ALG II. Natürlich ist es letztlich ein Luxusproblem. Ich muss nicht zu einer Lesung gehen, nur manchmal ist eben der Wunsch nach etwas Besonderem da. Sicher ich lebe nicht in einer kulturellen Wüste. Heute zum Beispiel gebe ich zu einer Vernissage. Es ist auch nicht nur diese Veranstaltung, es war wieder eine der Nächte, an der mir besonders bewusst ist, wie gering der Sicherheitspuffer ist.

Wenigstens einen Vorteil hatte das frühe Aufstehen, ich habe gearbeitet und bin ein gutes Stück voran gekommen.

8 Kommentare zu „Wenn ich des morgens früh aufsteh

  1. Nein, liebe Karin, das ist kein Luxusproblem. Es ist einfach ganz normale Teilhabe. Und die ist nicht möglich.
    Ich kenne das, was du beschreibst, sehr gut, möchte dich jetzt mal in den Arm nehmen. Einige Konzepte hab ich für mich entwickelt, aber ohne Geld oder Einnahmen, geht es nicht immer. Im besser organisierten Zusammenleben gänge es vielleicht, aber das sind wir nicht mehr gewöhnt. Jeder möchte für sich sein. Und 10 Leutchen und eine Kochstelle – wo soll denn so das ständig propagierte Wirtsschaftswachstum herkommen.
    Ich möchte dir so gerne deine Änste nehmen.

    1. Liebe Gudrun, diese Ängste lassen sich nicht nehmen, solange die Situation ist, wie sie ist. Besonders in Zeiten, in denen ich einen neuen Antrag gestellt habe, wird mir bewusst, wie prekär unsere Situation ist. Wenn aus irgendeinem Grund eine Verzögerung eintritt, dann sind wir im A…. Sicher, auch wir haben für vieles einen Umgang gelernt und haben ja Freunde und Unterstützung und vieles geht ohne Geld, aber, wie du schreibst, manchmal eben nicht.

    1. Umarm zurück. Es wieder so eine Zeit, in der es mich besonders hart ankommt. Dabei geht es gar nicht so sehr um die Lesung, sondern eher darum, dass ich nicht aus freien Stücken sagen kann. Ach nö, muss nicht, 24 Tacken ist mir zuviel, sondern viel eher, dass es gleich klar war, dass es nicht reicht. Alles Liebe Karin

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