• Einfach mal so,  Sachbuch

    Vorbereitungen auf die Terrassenzeit

    Das schöne ist, dass mensch überall lesen kann. Daher bin ich oft im Frühjahr und im Sommer mit einem Buch auf der Terrasse zu finden. Zum Wohlfühlen gehören natürlich auch Pflanzen. Dieses Jahr habe mich für reines Nutzgrünzeugs entschieden. Gestern auf dem Markt habe ich zugeschlagen und schon einmal einen Lorbeerbaum sowie Thymian und Rosmarin gekauft.

    Kaum hatte die Neuerwerbungen arrangiert, wurde es eisig und des Nachts schneite es gar. Also erst einmal alles wieder näher an die Hauswand gestellt. Ich denke, da werden sie fürs erste zurecht kommen.

    Eines der Bücher, in dem ich viel lesen werde ist Anfänge – Eine Neue Geschichte Der Menschheit von David Graeber und David Wengrow. Das wird mich einige Zeit beschäftigen und ich freue mich schon sehr aufs Lesen.

    Ich wünsche allen ein erlesenes Wochenende

  • Roman

    Die Stadt von Walerjan Pidmohylnyi

    Stepan, ein junger Mann vom Lande kommt in die große Stadt. Er hat auf Seiten der Roten gekämpft, hat in seinem Dorf das Gemeinschaftshaus geleitet und eine Bibliothek eingerichtet. Stepan will studieren und dann zurück ins Dorf für den Sozialismus zu arbeiten. Er hat große Pläne … und reichlich überzogene Erwartungen … und stellt fest, dass die Stadt nicht unbedingt auf ihn gewartet hat. Das Großstadtleben widert ihn einerseits an, andererseits gibt es so einiges, abgesehen von Frauen, das ihn anzieht. Unter anderem die Literatur und als er selbst zu schreiben beginnt und erste kleine Erfolge hat, ist es schnell vorbei mit seinen alten Plänen.

    Dieser Stepan ist einer, dem man abwechselnd in den Arm nehmen oder verprügeln möchte. Er ist selbstverliebt, gleichzeitig voller Selbstzweifel, herzlos gegenüber Frauen und auch in Sachen Freundschaft nicht der zuverlässigste … und doch ist er jemand mit dem ich gerne durch das Kyjiw der 20er Jahre gewandelt bin. Walerjan Pidmohylnyi hat da einen Protagonistin, der sein eigener Antagonist ist. Oft genug möchte man ihn schütteln, und im nächsten Moment trösten, weil doch alles nicht so schlimm ist.

    Walerjan Pidmohylnyi, geb. 1901 – 1937, lebte als Schriftsteller in der Ukraine, ab den 30ger Jahren konnte er nicht mehr publizieren, wurde mehrfach inhaftiert und gefoltert und schließlich 1937 im Arbeitslager hingerichtet.

    Übersetzung aus dem Ukrainischen: Alexander Kratochvil, Lukas Joura, Jakob Wunderland und Lina Zalirok

    Guggolz Verlag 2022

  • Roman

    Heroin Chic von Maria Kjos Fonn

    Elise hat liebende Eltern, eine wundervolle Gesangsstimme, blonde lange Haare, sie ist, wie alle ihr versichern, eine die leuchtet. Sicher, es zeichnet sich ab, dass die Mutter schon ein wenig in Sachen Musik pusht, aber eben nicht zu sehr. Es ist auch kein direkter Missbrauch, als ihr Chorleiter mit ihr schläft, immerhin ist sie da schon 16. Alles in allem entspricht nichts den Klischeevorstellungen einer Junkiekarriere und doch probiert Elise alles von Pillen, über Aneurexia, Bulime, Alkohol, Dope und Heroin. Ihr gesamtes Leben dreht sich darum, auch ihre Beziehung zu Joakim … der aber irgendwann keine Drogen mehr will. Die Eltern sind verzweifelt, der Vater ist dafür seine Tochter fallen zu lassen. Die Mutter kann es nicht, sucht die Schuld bei sich und versorgt Elise mit Geld, so gut sie kann …

    Maria Kjos Fonn beginnt Elises Geschichte in einer cleanen Phase, sie hat es geschafft neun Monate ohne Drogen zu sein und reflektiert ihr Leben, während täglich die Spritze lockt, denn Elise ist nur glücklich, wenn sie sich richtig leicht fühlt und das kann ihr nur das Heroin geben.

    Maria Kjos Fonn begibt sich mit ihrer Protagonistin in deren Abgründe, denn es geht ganz nach unten. Wie schon in Kinderwhore, ihrem ersten Buch, wählt sie eine einfache, starke Sprache, so auch hier. Maria Kjos Fonn gehört zu den Autorinnen, die Türen öffnen und ihre Leser an Stellen führt, an die sie sich freiwillig nicht begeben würden und das ohne zu werten.

    Übersetzung aus dem Norwegischen: Gabriele Haefs, erschienen bei Culturbooks

    Die Autorin: Maria Kjos Fonn, geboren 1990, lebt als freie Autorin in Oslo. »Heroin Chic« wurde als einer der wichtigsten norwegischen Romane des Jahres gelobt, gewann den Oslo Literaturpreis und stand auf der Shortlist des P2-Hörerpreises und des norwegischen Buchbloggerpreises. 2019 erschien und ihr preisgekröntes Debüt »Kinderwhore«.

  • Roman

    Ein rostiger Klang von Freiheit von Toril Brekke

    Agathe ist 18 und weiß nicht so richtig wer ihr Vater ist, ebenso wie ihr Bruder Morten. Fast sicher sind sie sich, dass Isaak, der Klavierstimmer, mit dem ihre Mutter verheiratet war, bevor sie mit einem Bassisten durchbrannte, es nicht ist. Agathe trägt viel zu viel Verantwortung, ist musikalisch und auf der Suche nach Freiheit. So landet sie im Versuchsgymnasium, in dem freies Lernen nach der Summerhill-Theorie praktiziert wird. Sie hat einen Kreis sehr enger Freunde, doch keine Erwachsenen, die Mutter, eine Jazzpianistin, will nichts mit den Kindern zu tun haben, Issak lebt lange nur in der Trauer verlassen worden zu sein, Oma ist zwar lieb, aber krank, Opa ist herrschsüchtig und obwohl Agathe ihn liebt, fühlt sie sich auch eingeengt von ihm und sucht Distanz. Dann sind da noch all die unausgesprochenen Geheimnisse in der Familie.

    Toril Brekke zeigt in diesem Buch, dass Zeitreisen möglich sind. Von der ersten Seite an entwickelt es einen Sog und plötzlich ist man 1968 in Oslo und begleitet Agathe, und ist zu Gast bei ihrer Familie, immer gespannt, wann der Korken knallt und alles was mühsam unter Decke gehalten wird ans Tagelicht kommt.

    Die Autorin: Toril Brekke wuchs als Tochter des Dichters Paal Brekke in Künstler-Kreisen in Oslo auf. Sie machte eine Ausbildung zur Typografin, arbeitete als Lehrerin und Journalistin. Seit 1976 verfasste sie Romane und Erzählungen sowie Kinder- und Jugendbücher.
    Zwischen 1987 und 1991 war sie Vorsitzende des norwegischen Schriftstellerverbandes und in den 1990er Jahren Mitglied des Komitees für den Literaturpreis des Nordischen Rates. Sie wurde im Jahr 2000 mit dem Literaturpreis der Riksmål-Gesellschaft und 2004 mit dem Amalie-Skram-Preis ausgezeichnet.
    Toril Brekkes Arbeiten sind geprägt von ihrem Interesse an menschlichen Beziehungen und von der Frage, warum wir in engen Beziehungen, aber auch zwischen den Geschlechtern, Klassen oder Ländern so handeln, wie wir es tun.

    Die Übersetzerin: Dr. Gabriele Haefs studierte in Bonn und Hamburg Sprachwissenschaft. Seit 25 Jahren übersetzt sie u.a. aus dem Dänischen, Englischen, Niederländischen und Irischen. Sie wurde dafür u.a. mit dem »Gustav-Heinemann-Friedenspreis« und dem »Deutschen Jugendliteraturpreis« ausgezeichnet, zuletzt 2008 mit dem Sonderpreis des »Deutschen Jugendliteraturpreises« für ihr übersetzerisches Gesamtwerk. Sie hat u.a. Werke von Jostein Gaarder, Camilla Grebe und Anne Holt übersetzt. Zusammen mit verschiedenen Kolleginnen hat sie mehrere Anthologien skandinavischer Schriftsteller herausgegeben.

  • Krimi,  Uncategorized

    Milch oder Blut von Liza Cody

    Seema Dahami ist Mitte 20, lebt in London, Vegetarierin, hat einen Freund mit dem sie gut zurecht kommt aber auch nicht mehr, weniger gut kommt sie mit ihrer koscher lebenden Mutter zurecht, die ihrerseits nicht viel positives über ihre Tochter zu sagen hat. Seema ist Gärtnerin aus Leidenschaft, neben kleinen Vorstadtgärten, Terrassen und Blumenkästen, bepflanzt sie auch eine Verkehrsinsel. Eigentlich ein langweiliges normales Leben, ohne große Aufregungen, womit es allerdings schnell vorbei ist, als sie eines abends Lazaro kennenlernt, einen sehr viel älteren, kultivierten Herrn.

    Milch und Blut nicht zu mischen ist die einzige jüdische Speiseregel, die für die sonst nicht gläubige Seema Sinn macht. Ansonsten glaubt sie nicht an das Übersinnliche. Doch was, wenn ihr neuer Freund vielleicht ein Vampir ist? Seit der Begegnung mit Lazaro kommt so einiges ins Schwanken in Seemas Leben und so undurchsichtig ihre neuen Bekannten sind, so klar wird ihr was sie bei den ihr vertrauten Menschen übersehen hat.

    Liza Cody lässt sich auch bei dieser Geschichte nicht von einem Genre einengen. Sicher es gibt eine Kriminalgeschichte, aber da ist auch soviel mehr. Die Autorin lässt ihre Protagonistin äußerst geschickt, zwischen Traum und Wirklichkeit den Weg zu sich selbst finden. Eine absolute Leseempfehlung.

  • Roman

    Mrs. Agatha Christie von Marie Benedict

    Marie Benedict schreibt biografische Romane über bekannte Frauenfiguren, über die nicht allzuviel bekannt ist, wie Clementine Chruchill oder Milena Einstein. Nun ist Agatha Christie sicher eine der bekanntesten Autorinnen und man sollte meinen, dass es nur wenig geben dürfte, das nicht über ihr Leben aufgedeckt wäre … und doch gibt es da etwas. Am 4. Dezember 1926 verließ Mrs. Christie ihr Haus in Surrey, verschwand für 11 Tage und löste eine der größten Suchaktionen der britischen Geschichte aus, während der ihr Gatte Archibald Christie, unter Mordverdacht gerät, hätte er doch einen Grund gehabt, seine Frau zu beseitigen. Der Grund hatte einen Namen den Namen Nancy Neele. Archibald Christie wollte die Scheidung, um seine Geliebte zu heiraten, Agatha weigerte sich ihre Zustimmung zu geben.

    Mrs. Agatha Christie ist das erste Buch, welches ich von Marie Benedict gelesen haben, kann daher keine Vergleiche zu ihren anderen Werken anstellen. Dieses hier jedenfalls hat mich, trotz seines interessanten Aufbaus, nicht überzeugt. In erster Linie liegt es an den Redundancen. Wenn in einem Satz die Kleidung des Polizisten als schlampig beschrieben wird, ist es nicht nötig, es jedesmal zu wiederholen, wenn er in Erscheinung tritt. Ebenso verhält es sich mit den mütterlichen Ratschlägen die Agatha erhält. Da wird gebetsmühlenartig wiederholt, dass eine Ehefrau der Gatte an erster Stelle kommt, auch vor den Kindern.

    Agatha Christie selber hat nie über diese 11 Tage gesprochen und wenn Reporter später darauf zu sprechen kamen, wurden diese höflich vor die Tür gesetzt. Ihre Erklärung war kurz nachher Gedächtnisverlust durch Schock. Das war es. Also hat sie ein weites Feld für Spekulationen offen gelassen. Marie Benedict hat also ihrer Fantasie freien Lauf gelassen und aufgeschrieben, was der wahre Grund war, leider liefert sie keinen überzeugenden Grund als Erklärung.

    Übersetzerin: Marieke Heimburger.