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    Selbst der beste Plan von Séamus Ó Grianna

    Séamus Ó Grianna wurde 1889 im County Donegal geboren. Er entstammt einer Familie von Geschichtenerzähler. Seine Erzählungen, die er auf irisch schrieb und erst später ins englische übersetzte, spielen in den Rosses im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Sie sind geprägt von der ländlichen Gegend, vom Meer und von der Sprache. Die Menschen sind arm, aber hilfsbereit. Sie leben von der See und fürchten sie auch. Doch vor allem geht es Ó Grianna um die Menschen. Da ist zum Beispiel Denis der Träumer, der den Menschen in seinem Dorf das Konzept der Liebesheirat nahebringen will, allerdings scheitert. Und da sind die, die auswandern, um der Armut zu entgehen, temporär zum Arbeiten nach Schottland oder für viele Jahre nach Amerika. Wenn sie irgendwann zurückkehren, sind sie fremd in der Heimat und haben den Kontakt zu ihren Familien und Freunden verloren.

    Die Erzählungen sind wahrlich ein ganz besonderer Schatz. Gabriele Haefs und Julian Haefs ist es auf wundervolle Weise gelungen, die bildhafte Sprache Ó Griannas in der deutschen Übersetzung zum Leuchten zu bringen. Ein großes Lesevergnügen.

    Ralf Sotscheck hat, um die Sache rund zu machen, das Buch mit einem Nachwort versehen, in dem er unter anderem, Erklärungen zu den Feinheiten der irischen Sprache, sowie zu Ó Griannas Leben gibt und über die besondere Lage Donegals.

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    Wind und Wolkenlicht von Lewis Grassic Gibbon

    Wind und Wolkenlicht von Lewis Grassic GibbonAus dem schottischen Englisch von Esther KinskyNachwort:

    Claire-Louise BennettOrt der Handlung ist die Kleinstadt Segget zwischen den Weltkriegen. Chris Calqouhun und ihr Mann Robert, sowie ihr Sohn aus erster Ehe, Ewan, sind neu. Robert ist der neue Pfarrer des Ortes. Natürlich wird die Familie streng beäugt. So ist schon mal verdächtig, dass Chris sich nicht für Klatsch interessiert. Das sie einsame nächtliche Spaziergänge liebt und sich eigentlich ihrer Umgebung mehr verbunden fühlt, als den Menschen des Ortes, macht sie in den Augen der Bewohner noch suspekter. Sie nimmt nicht wirklich teilt, ist aber gleichzeitig ein sehr wacher Mensch, eine die zupackt und mitfühlt. Doch sowohl sie als auch ihr Mann bleiben Fremde im Ort, der geprägt ist von der Nachkriegszeit und den gesellschaftlichen Umbrüchen. Robert Calqouhun engagiert sich für die Belange der Spinnereiarbeiter, die im Dorf als Außenseiter gelten und leidet unter Depressionen, ein Nachklang seines Kriegeinsatzes im 1. Weltkrieg.

    Lewis Grassic Gibbon ist wahrlich ein Wortmaler. Seine Darstellung dieser Kleinstadt die der Klatsch gleichermaßen zusammenhält und doch trennt, ist so bildhaft und durch das schottische Englisch, dessen Besonderheiten im Ausdruck Esther Kinsky excellent ins Deutsche übertragen hat, dass man sich in Zeit und Raum versetzt fühlt. Das Motto der Stadt könnte übrigens sein: Warum eine gute Geschichte durch die Wahrheit ruinieren? Doch unter dem Klatsch, den Vorurteilen und den Lügen, spürt man die Unsicherheit, die der 1. Weltkrieg gebracht hat und das Krachen im sozialen Gefüge. In diesem Spannungsgebiet zwischen Vergangenheit und Zukunft, erscheint Chris als eine zeitlose Person, die sich der Vergangenheit des Landes bewusst ist, der Zukunft mit einer gewissen Gleichgültigkeit begegnet und doch mit beiden Beinen fest in der Gegenwart steht. Verlag: Guggolz, ISBN 978-3-945370, 26,00 € #guggolzverlag #schottland