Krimi

  • Krimi,  Uncategorized

    Kennt ihr Patsy Logan?

    Wenn ihr Patsy Logan noch nicht kennt, wird es Zeit sie kennenzulernen. Ellen Dunnes dutsch/irische Hauptkommisarin mit Hang zum anecken ist eine absolute Entdeckung. Ich bin über den 3. Teil der Reihe Boom Town Blues auf sie getroffen. Mir gefiel der Titel, mag Dublin und Kriminalromane, vorzugsweise mit Ermittlerinnen. Über Boom Town Blues habe ich hier bereits geschrieben:

    Jedenfalls war ich so begeistert von dem Buch, dass ich mir die Vorläufer, zu denen gleich mehr, sofort besorgen wollte. Da es sie als Hörbuch gibt, dachte ich, warum nicht. Versuche es einfach mal. Meistens ist es ja so, dass man beim Lesen eine Stimme im Kopf hat und dass es schon einmal enttäuschend sein kann, wenn man es denn als Audio hört. In diesem Fall passte es. Vanida Karun hört sich wie die Patsy in meinem Kopf an. Leider gibt es nur die beiden ersten Titel in der Hörbuchversion. Es wäre schön, wenn Boom Town Blues auch in diesem Format zur Verfügung stände.

    Zur Autorin Ellen Dunne geht es hier: https://www.ellen-dunne.com/

  • Krimi,  Roman,  Uncategorized

    Die andere Mrs. Walker von Mary Paulson-Ellis

    Margaret Penny ist 47, als sie mit einem geklauten Mantel, einer Flasche Rum und einem Coronations Penny in der Tasche, vor der Edinburgher Haustür ihrer Mutter steht. Der Rum hilft ihr um über die Schwelle zu kommen, denn Alkohol ist fürs erste so ziemlich das einzige, was die beiden Frauen gemeinsam haben. Margaret ist finanziell am Ende und hat persönliche Gründe London zu verlassen. Sie macht sich auf die Suche nach Arbeit und findet eine Anstellung im Amt für Verlorengegangene. Ihr erster Fall: Mrs. Walker, ca. 85, die abgemagert tot in ihrem Zimmer aufgefunden wurde. Margaret soll nun die Geschichte dieser Frau aufdecken, einen Vornamen und eventuelle Familie finden, damit die Dame beerdigt werden kann. Der Nachlass, mit dem die Suche beginnt, ist eher mager: Ein verschüttetes Glas Whisky, eine gammelige Mandarine, eine Paranuss und ein smaragdgrünes Kleid.

    Die andere Mrs. Walker ist der Debütroman von Mary Paulson-Ellis. 2016 ist er erschienen. Der Haupthandlungsstrang ist 2010 – 2011 angelegt, doch die Autorin lässt auch die Vergangenheit der Walkers und Pennys entstehen. In Rückblenden erzählt sie von Kindern die sterben, von Vätern die verschwinden, von Müttern die im Irrenhaus landen, von Abtreibungen, Pädophilie, Prostitution, betrügerischen Anwälten, Kriegstraumata und Alkoholismus. Vom verzweifelten Versuch vor dem all dem die Fassade der Wohlanständigkeit aufrechtzuerhalten und wie Gegenwart und Vergangenheit miteinander verknüpft sind. Trotz der dunklen Themen, liest es sich nicht bedrückend, da es der Geschichten, besser gesagt den Geschichten, nicht an Humor mangelt, wenn einem auch an manchen Stellen, das Lachen im Hals stecken bleibt.

    Übersetzerin: Kathrin Bielfeldt

  • Craftwork,  Einfach mal so,  Krimi

    Regen und Pastellfarben

    Es plätschert noch immer munter vor sich hin, kalt ist es auch. Gestern hatten wir eine Ruhepause und es war relativ trocken. Heute wollte ich die Terrassenpflanzen umtopfen, aber bei dem Wetter, mache ich es mir lieber mit Strickzeug und Hörbuch gemütlich.

    Ich glaube heute stricke ich mal die Sommersocken fertig. Vielleicht locke ich damit die Sonne. In letzter Zeit habe ich einen fatalen Hang zu Pastellfarben … muss am Alter liegen.

    Gestern brachte mir Freund Sascha dieses Buch. Mord im Labyrinth von Robert Gulik. Ich bin mir nicht sicher ob ich es schon einmal gelesen habe. Egal, wenn nicht dieses, dann war es ein anderes Richter Di Buch und das hatte mir gefallen. Wenn es dieses war, auch nicht schlimm, es gibt Bücher die kann man gerne wieder lesen.

  • Craftwork,  Einfach mal so,  Hörbücher,  Krimi

    Nasser Wochenbeginn

    Das Wetter lädt wirklich nicht dazu ein, sich draußen zu vergnügen. Allerdings musste ich doch kurz vor die Tür. Ich habe mir meinen zukünftigen Winterpullover vorgenommen, da fehlen noch die Ärmel, welche nun wieder rundgestrickt werden. Wie es so ist, habe ich ungefähr siebzig Stricknadeln, aber keine bei der Stärke und Länge hinhauen. Zum Glück ist das Handarbeitsgeschäft gleich um die Ecke.

    Das ist das gute Stück. Im Moment habe ich Stricktechnisch das Kontrastprogramm, Winterpullover und Sommersocken. Doch es tut mir gut und das ist die Hauptsache. Ohne Buch geht es allerdings nicht, daher habe ich mir ein Hörbuch besorgt.

    Es ist das erste Buch der Patsy Logan Serie von Ellen Dunne. Den 3. Teil Boom Town Blues, habe ich gerade ausgelesen und hier darüber geschrieben.

    Boom Town Blues von Ellen Dunne – Writresscorner

    Ich wünsche allen einen schönen Start in die Woche.

  • Krimi

    Boom Town Blues von Ellen Dunne

    Gut läuft es wahrlich nicht für Kriminalhauptkommisarin Patsy Logan, sowohl Karriere, als auch Ehe und Kinderwunsch sind in einer Sackgasse gelandet. Also eine Auszeit und Gelegenheit den irischen Teil der Familie zu besuchen. Die Auszeit ist allerdings schnell vorbei, als sich ihr Münchener Chef meldet und sie bittet als Verbindungsbeamtin zu fungieren. In der österreichischen Botschaft wurde eine junge Frau vergiftet. Gemeinsam mit der irischen Polizei, deren Ermittlungsleiter alles andere als glücklich über die Zusammenarbeit ist, gilt es herausfinden, ob es ein wahlloser terroristischer Anschlag war und ob Laura Brenner wirklich das Opfer war oder ob es sich um eine Verwechselung handelt?

    Boom Town Blues ist mein erster Patsy Logan Krimi, aber ganz sicher nicht mein letzter. Die beiden Vorläuferbände werden umgehend besorgt. Das Grundthema von Boom Town Blues sind die Auswirkungen der Finanzkrise und das Platzen der Immobilienblase, sowie die daraus resultieren persönlichen Schicksale. Die Handlung ist 2019 angelegt, der Brexit steht bevor und bringt Veränderungen, Covid ist noch kein Thema, aber es zeichnet sich ab. Ellen Dunne versteht eine komplexe, vielschichtige Handlung zu erzählen, ohne dass Spannung verloren geht und die politische, wirtschaftlichen Informationen erschlagen.

    Unbedingte Leseempfehlung.

    Die Autorin:

    Ellen Dunne ist in Salzburg geboren, aber folgte ihrer Sehnsucht nach dem Meer – und lebt heute als Texterin und Schriftstellerin südlich von Dublin. Seit 2010 lässt sie ihre deutsch-irische Kommissarin Patsy Logan ermitteln, zuletzt in „Schwarze Seele“ und „Harte Landung“. Und das kann ganz schön erfrischend sein: Für die Recherche zu „Boom Town Blues“ wagte Dunne sich nach 17 Jahren auf der Insel zum ersten Mal in die Irische See.

    Das Buch ist im Haymon Verlag erschienen.

  • Krimi,  Uncategorized

    Milch oder Blut von Liza Cody

    Seema Dahami ist Mitte 20, lebt in London, Vegetarierin, hat einen Freund mit dem sie gut zurecht kommt aber auch nicht mehr, weniger gut kommt sie mit ihrer koscher lebenden Mutter zurecht, die ihrerseits nicht viel positives über ihre Tochter zu sagen hat. Seema ist Gärtnerin aus Leidenschaft, neben kleinen Vorstadtgärten, Terrassen und Blumenkästen, bepflanzt sie auch eine Verkehrsinsel. Eigentlich ein langweiliges normales Leben, ohne große Aufregungen, womit es allerdings schnell vorbei ist, als sie eines abends Lazaro kennenlernt, einen sehr viel älteren, kultivierten Herrn.

    Milch und Blut nicht zu mischen ist die einzige jüdische Speiseregel, die für die sonst nicht gläubige Seema Sinn macht. Ansonsten glaubt sie nicht an das Übersinnliche. Doch was, wenn ihr neuer Freund vielleicht ein Vampir ist? Seit der Begegnung mit Lazaro kommt so einiges ins Schwanken in Seemas Leben und so undurchsichtig ihre neuen Bekannten sind, so klar wird ihr was sie bei den ihr vertrauten Menschen übersehen hat.

    Liza Cody lässt sich auch bei dieser Geschichte nicht von einem Genre einengen. Sicher es gibt eine Kriminalgeschichte, aber da ist auch soviel mehr. Die Autorin lässt ihre Protagonistin äußerst geschickt, zwischen Traum und Wirklichkeit den Weg zu sich selbst finden. Eine absolute Leseempfehlung.

  • Krimi,  Roman

    Das giftige Glück von Gudrun Lerchbaum

    Vienna Weed … wenn das nicht nach Walzer oder einem smoothingen Jazzstück klingt … was es aber nicht ist. Vienna Weed ist sozusagen der stille, mörderische, glückmachende Protagonist in Gudrun Lerchbaums Roman.

    Es ist Bärlauchsaison, in den Wäldern rund um Wien wächst er üppig und wird gerne gesammelt. Doch dieses Jahr hat er eine Besonderheit. Durch einen Pilzbefall ist der Bärlauch wohl nicht mehr unter den Heilkräutern einzuordnen, denn der Genuss ist tödlich. Allerdings sterben die Leute sehr glücklich, denn das Kraut hat auch eine psychoaktive Wirkung. Nun sollte man denken, dass er gemieden wird, doch nein, es beginnt ein regelrechter Run. Lebensmüde, Verzweifelte, Menschen mit unheilbaren Krankheiten und solche mit kriminellen Absichten versuchen sich das giftige Glück zu sichern.

    Auch Kiki, die wegen Todschlags im Gefängnis war und sich nach ihrer Entlassung um die an MS erkrankte Olga Schattenberg kümmert, ist im Wald unterwegs. Nicht für sich will sie das Kraut, sondern Olga hat sie geschickt, um einen Ausweg zu haben, wenn sich ihre Erkrankung verschlimmert. Im Wald trifft Kiki auf Jasse, einer knapp 14-jährigen, die nicht nur mit den üblichen pübertären Problemen kämpft, sondern auch mit dem Verlust ihrer Mutter, die die Familie verlassen hat. Als eine alte Bekannte Kikis beim Genuss einer Pizza in Kikis und Jasses Gesellschaft stirbt, geraten die Beiden in Verdacht nachgeholfen zu haben. Denn Kiki hatte sehr wohl einen Grund die Dame zu beseitigen.

    Gudrun Lerchbaum hat mit „Das giftige Glück“ einen sehr besonderen Roman geschaffen, der den Nerv der Zeit trifft. Kiki und Olga Schattenberg sind bereits aus dem letzten Buch der Autorin, Wo Rauch ist …, bekannt und da die Autorin ihr Handwerk versteht und Charaktere mit Ecken und Kanten erschafft, war es sozusagen ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Gudrun Lerchbaum hat ein ausgesprochenes Geschick dafür, die Probleme unserer Zeit aufzugreifen und in eine spannende Erzählung zu packen. Sie erhebt dabei nicht belehrend den Zeigerfinger, sondern legt ihn dahin wo es wehtut, ohne groß zu dramatisieren.

  • Krimi,  Sollte dringend übersetzt werden

    The Locked Room von Elly Griffiths

    Hier ist es also, das 14. Buch aus der Ruth Galloway Serie von Elly Griffiths. Leider wird die Serie seit The Woman in Blue/Todespassion nicht mehr ins Deutsche übersetzt. Warum die Bücher nicht mehr übersetzt werden … keine Ahnung. Wahrscheinlich weil es keine Gewaltpornos a la Stieg Larrson und Jussi Adler sind, sondern ein Kriminalfall, interessante Charaktere, Geschichte, Archälogie und das alles in einer wundervollen Landschaft angesiedelt.

    Es ist das erste Buch, das ich gelesen habe, das während des Lockdowns in UK geschrieben wurde und es auch thematisiert. Zu erst habe ich es als Manko empfunden, dass Lockdown, die Maßnahmen die eigentliche Geschichte zu überschatten schienen, dann erinnerte ich mich an die Zeit und daran, dass es nun einmal so war und schließlich und endlich wird ja trotz allem an der Lösung einer Serie scheinbarer Selbstmorde garbeitet.

    DI Harry Nelson, DI Judy Johnson und ihre Mitstreiter werden mit einem scheinbarem Selbstmord konfrontiert, bei dem Zweifel aufkommen. Die Tote wird in ihrem Schlafzimmer gefunden und dieses ist von Außen verschlossen.

    Während dessen organisiert Ruth ihr Leben im Lockdown und versucht das Leben für sich, ihre 11-jährige Tochter Kate und Kater Flint, auch dann noch interessant zu gestalten, wenn Schule, Treffen mit Freunden sich auf Facetime Yogastunden mit Druide Cathbad beschränken. Neben dem wird sie in Ermittlungen gezogen und es gibt einiges was sie zusätzlich beschäftigt hielt. Einmal ist da eine neue Nachbarin, denn hat sie ein Foto ihres Hauses im Nachlass ihrer Mutter gefunden … allerdings kein akutelles, sondern eines aus den 60ziger Jahren. Auf der Rückseite steht: 1963 Dawn. Das wirft Fragen auf. Und schließlich und endlich ist da noch ihre Beziehung zu DI Harry Nelson, in der es einiges zu klären gibt.

    Ich habe The Locked Room gerne gelesen, halte es aber weitem nicht für das beste Buch der Serie. Was zum einem an der Covid Thematik liegt, aber auch an einem schwachen Plot der Mordserie. Einige Wendungen sind nun mal doch zu konstruiert. Trotzdem freue ich mich auf Buch 15.

  • Krimi,  Norwegische AutorInnen

    Der Mann, der nicht vergessen konnte von Trude Teige

    Auf einem alten Bauernhof, in der Nähe von Oslo, wird ein Mann tot aufgefunden. Die Obduktion ergibt, dass er schwer krank war und voraussichtlich seinem Leben selbst ein Ende gesetzt hat. Nachforschungen ergeben, dass er auf dem Hof aufgewachsen ist und das der Ort kein glücklicher war. Weder in der Kindheit des Mannes, noch später und ein Mord, der bis dato ungeklärt ist, hat sich dort ereignet.
    Die Journalistin Kajsa Coren erholt sich von ihrer Krebserkrankung und versucht auch beruflich wieder Fuß zu fassen. Allerdings soll es ein wenig ruhiger sein, als zuvor. Während ihrer Arbeit an einer Dokumentation über #metoo entdeckt sie den alten Hof … und eine Leiche.
    Trude Teige ist eine Meisterin darin, ein aktuelles Thema wie #metoo, mit einem spannenden Plot zu verweben, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben. Trude Teiges Charakter leben und haben Ecken und Kanten. Hat man erst einmal angefangen die Krimis um Kajsa Coren und ihren Lebensgefährten, den Oberkommisar Karsten Kjolas, hängt man am Haken und freut sich, kaum hat man eines ausgelesen, bereits auf das nächste Buch.

    Übersetzung aus dem Norwegischen: Gabriele Haefs & Andreas Brunstermann

  • Krimi,  Norwegische AutorInnen

    Ein Grab für zwei von Anne Holt

    Ein neuer Anne Holt ist immer ein Grund zur Freude, denn selbst ihre nicht ganz so gelungenen Werke, liegen noch weit über dem Durchschnitt. Ein Grab für zwei stimmt nun besonders froh, da es der Auftakt zu einer neuen Serie ist.

    Selma Falk, ehemalige Handball-Olympia-Medaillengewinnerin, erfolgreiche Rechtsanwältin mit Starqualitäten ist abgestürzt. Beruflich, privat, alles scheint zusammen zu brechen. Das ist der Punkt, an dem Jan Morrell vor ihrer Tür steht und ihr ein Angebot macht. Seine Tochter, Norwegens große Hoffnung auf Olympiagold im Langlauf, sieht sich Dopingvorwürfen ausgesetzt. Als kurz darauf ein weiterer Skiläufer des Olympiateams tot aufgefunden wird und bei ihm ebenfalls Dopingverdacht besteht, scheint es klar zu sein, dass jemand dem Olympia-Team schaden will. Allerdings hat Selma Falk ihre Zweifel, dass es so einfach ist.

    Mit Selma Falk führt Anne Holt eine nicht ganz typische Ermittlerin ein. Sie ist weder Polizistin noch Privatdetektivin, verfügt allerdings durch ihren Bekanntheitsgrad und ihre Arbeit als Rechtsanwältin über exzellente Verbindungen zu diversen Institutionen und Menschen der unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten. Der Plot ist gut konstruiert, allerdings ohne konstruiert zu wirken, die Charaktere sind lebendig und ein besonderer Lichtblick ist Selmas Freund, der Obdachlose Einar Falsen, ein ehemaliger Kriminalbeamter mit Paranoia.

    Anne Holt zeigt einmal mehr, dass ein guter Kriminalroman ohne Gewaltpornos auskommt und es der Spannung keinen Abbruch tut, wenn die Charaktere dreidimensional sind und nicht bloße Avatare für den nächsten Mord.

    Im nächsten Herbst kommt der zweite Teil. Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn man bei so einer Ankündigung denkt: Was, so lange noch?

    Übersetzerin: Gabriele Haefs