Daily Musings

Im Mai von 17 Jahren

Im Mai vor siebzehn Jahren bin ich in die Tannskaya gezogen. Meine zweite Ehe war am Ende. Wir gingen nicht im Streit auseinander, waren uns einig, keine Chance mehr haben. Nachdem auch diese Beziehung in die Grütze gegangen war, sagte ich mir: Das war es! Noch mal lasse ich mich nicht auf einen anderen Menschen ein. Jetzt lebe ich alleine, mit meiner Katze und werde eine grantige alte Hexe. Einen Mann, wie ich ihn brauche, gibt es eh nicht. Er muss sich für Kunst und Spiritualität interessieren, aber auch für soziales und politisches, Bücher lieben, Humor haben (am besten so einen schwarzen wie auch ich) und dann auch noch ohne Murren seinen Anteil am Haushalt übernehmen. Fest überzeugt davon, dass so ein Wesen nicht existiert zog ich also in meine kleine Wohnung in die Tannskaya und fand dort, in der Wohnung über mir, genau diesen Menschen. Wir brauchten noch ein wenig, um uns wirklich aufeinander einzulassen, denn auch er hatte beschlossen, die Finger von Beziehungen zu lassen. Doch seit dem 8. September 2004 sind wir zusammen und glücklich miteinander.

Das unser Zusammenleben so gut klappt hat ganz sicher damit zu tun, dass wir jeder unsere Wohnung behalten haben. Was auch weiterhin so bleiben wird. Da wir völlig unterschiedliche Vorstellungen von Ordnung und Raumgestaltung haben, ist so eine Menge Konfliktpotential aus dem Weg geräumt. Herr Braun ist ein alles Aufbewahrer und ich eine Loslasserin. Aber das sind Kleinigkeiten.

Eine neue Erfahrung für mich war vor allem, dass mein Wunsch zu schreiben ernst genommen und nicht als etwas wunderliches Hobby abgetan wurde. Dass ich Unterstützung erfuhr und zwar auf die selbstverständlichste Weise und nicht um diese betteln musste. Sicher hat geholfen, dass Viktor Musiker und Fotograf ist. Also den Wunsch nach künstlerischem Ausdruck versteht und wir uns so gegenseitig den Raum für unsere Arbeit geben.

An manchen Tagen kommt es mir wie gestern vor, als wären wir erst seit kurzem zusammen und dann wieder, als wenn es immer so war – gar nicht anders sein könnte. Es ist ein gutes Leben, das wir haben und dafür bin ich dankbar.

Mag keine Schubladen, isst gerne Schokolade, liest und schreibt mit Freuden. Letzteres auch schon einmal über das Gelesene. Hat aber auch Spaß am Kochen und einfach mal die Wand angucken. Wohnort: Kiel und Wolkenkukusheim

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