Daily Musings

Nachdenklich

Seit dem gestrigen Einkaufsrummel, ich nehme mich da mal nicht aus, denn ich war ja auch unterwegs, bin ich recht nachdenklich. Was sind es doch im Grunde für Luxusprobleme, mit denen ich mich so rumschlage. Die letzten Tage habe ich mich so reich gefühlt, so viele haben an mich und die meinen gedacht, es gibt Menschen in meinem Leben, die mich unterstützen und die eine oder andere materielle Katastrophe abmildern. Es gibt Menschen die mir zuhören, die mich in den Arm nehmen, wenn ich Trost brauche. Ich habe satt zu essen, ein Dach über dem Kopf, genügend zu lesen, ganz zu schweigen von meiner Tochter und meinen Enkeltöchtern. Was rege ich mich also auf, wenn es in einem Geschäft zu voll ist? Vor allem, was wäre so schlimm daran gewesen, wenn ich über Feiertage kein frisches Obst gehabt hätte? Nix! Die Schränke sind voll, im Gefrierschrank ist genug leckeres. Auch Hund und Katze haben reichlich zu essen. Ja, wir können es uns sogar leisten, Futter für Hund und Katze zu kaufen. Also, so what?

Ich denke an die Menschen auf Lesbos, in Bosnien und die, die auf der Flucht sind, vor dem Krieg und oder in ein besseres Leben und deren Flucht allzu oft in lybisches Auffanglagern oder auf dem Grund des Mittelmeeres endet. An die, die ihre Familie und ihr Heim verloren haben und auf der Straße leben, an die, die es vorziehen ihrem Leben ein Ende zu machen, weil sie nicht mehr die Kraft aufbringen, daran zu glauben, dass es besser wird.

Dagegen sind drei Tage ohne Obst ein Witz und Gedrängel im Geschäft auch. Mensch könnte es sogar als Luxus betrachen, in einem Land zu leben, in dem die Geschäfte so voll sind, dass sie sogar nach diesen Einkaufsorgien nicht leer sein werden.

Sicher, es gibt vieles in diesem unseren Lande zu bemängeln und doch, es geht uns besser als so vielen auf diesem Planeten und wir haben nichts dazu getan es zu verdienen, wir haben einfach ein verdammtes Glück, hier geboren zu sein.

In diesem Sinne, frohes Fest, besinnliche, erkenntnisreiche Raunächte, God Jul, Frohes Chanukka oder was immer ihr feiert. Vielleicht sollten wir einfach einmal feiern, wie gut es uns geht.

Mein Name ist Karin Braun, ich lebe mit Mann und Hund in Kiel und bin eigentlich dauernd in Geschichten unterwegs. Ich lese mit Begeisterung, schreibe gerne übers Gelesene und, so dann und wann, schreibe ich selber welche. Des weiteren beschäftige ich mich mit Tarot, Magie, Runen und soweiter. Bin so eine Ökotante ohne Smartphone, ohne Fernseher, esse bio und habe schwer Feminismus.

4 Kommentare

  • Frau Momo

    Wir kommen ja nun gerade aus der Obachlosentagesstätte. Während wir ins gemütliche Zuhause zurückfahren konnten, mussten wir die Menschen in Regen und Kälte schicken. Und ja, was sind dagegen ein paar fehlende Dinge in sonst gut gefüllten Schränken aller Art. Diese Menschen, denen wir gerade ein hoffentlich schönen Weihnachtsvormittag beschert haben, haben nichts, ausser dem, was sie bei sich tragen oder irgendwo versteckt haben und hoffen, das es nicht geklaut wird. Ich mag es nicht, Probleme zu relativieren, weil man sich dann unter Umständen selber nicht ernst nimmt, aber fehlendes Obst, fehlender Beifuss (weshalb wir gestern u.a. noch losgetobt sind), sind keine Probleme. Mich nervt es auch Weihnachten einzukaufen, aber es zwingt mich niemand dazu.
    Habt es schön heute. Freuen wir uns an dem, was wir haben, nehmen wir uns aber mit unseren Sorgen und Ängsten ernst, denn jemanden, dem es schlechter geht, findet man immer und es hilft nichts, zu vergleichen

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