Daily Musings

Raus aus den Schubladen

In letzter Zeit habe ich mich mit den Schubladen, die ich mir selber gebaut habe, sehr schwer getan. Dabei mag ich gar keine. Also Schubladen. Wieso also versuche ich immer wieder, mich in einer einzurichten? Wieso muss es die Autorenschublade sein, die Rezensentin oder die Tarotberaterin. All das sind Berufe ich ausgeübt habe und in denen ich zum Teil noch tätig bin. Doch warum ist es mir in letzter Zeit so wichtig, mich in ein bestimmtes Feld zu sortieren und warum versuche ich durch stetiges, meistens eher sinnloses, Tun, zu rechtfertigen in einem bestimmten zu sein Mit dem, ich bin dies oder das, ist alles spielerische verschwunden. Früher hatte ich die Idee zu einer Geschichte, setzte mich hin und schrieb, ich las ein Buch, dachte, wow das sollten viele lesen und schrieb drüber. Wenn ich morgens zu den Karten griff, war da nicht der Gedanke, du musst mit dem Tarot in Kontakt bleiben, damit du weiter gute Beratungen machst, sondern die Freude an den Bildern und den Gedanken, die sie auslösten. Wenn ich heute schreibe, ist das wie wichtiger als das was. Dabei kommt natürlich nichts vernünftiges heraus.

Die letzten Wochen ging es mir sehr schlecht, ich war depressiv und zwar so stark, dass es begann sich körperlich niederzuschlagen. Natürlich kenne ich diese Phasen, da ich schon sehr lange mit einer bioploaren Störung lebe. Allerdings hatte es mich seit Jahren nicht so schlimm erwischt. Natürlich weiß ich aus Erfahrung, wie ich damit umzugehen habe und welche Mittel mir helfen, damit ich wieder soweit komme, dass ich reflektieren kann. So kam ich darauf, dass ich sehr darunter leide, die Freude am Tun verloren zu haben, seit ich versuche den Bildern, die die Berufsbezeichnungen vermitteln, zu entsprechen. Da muss ich ansetzen. Dazu gehört, dass ich mich damit auseinandersetze, warum es mir überhaupt so wichtig war, dieses oder jenes zu sein. So kam ich darauf, dass ich, idiotischer Weise, versuche die Anerkennung meiner Herkunftsfamilie zu erringen. Es hört sich halt besser an, wenn man auf die Frage: Und was machst du so?, antwortet: Autorin, Tarotberaterin oder was auch immer, als wenn die Antwort lautet: Was mir halt Spaß macht. Dabei ist es nicht einmal so, dass mein Vater oder meine Schwester mit meinen Berufen irgendwas anfangen können. Im Grunde würden sie zufriedener sein, wenn ich sagen würde: Nix. Dann könnten sie sich in der Gewissheit sonnen, genau das schon immer gewusst zu haben.

Das Luftschloss aus dem Göttinnenzyklus von Ulla Jannascheck und Cambra Skade

Es ist natürlich nur ein Teilaspekt, aber ein wichtiger. Ein weiterer Aspekt ist, dass ich das Gefühl habe, mir läuft die Zeit davon, ohne dass ich etwas wirklich Profundes erschaffen habe. Dabei stellt sich natürlich wieder die Frage: Muss ich das denn überhaupt? Nein! Mein Hauptanliegen ist, wieder in die alte Leichtigkeit zu kommen, wieder Freude am Machen zu haben, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wer es gut oder schlecht findet und ob es wichtig ist, dem Bild einer Bezeichnung zu entsprechen. Die Karte, die ich heute Morgen gezogen habe, bezeichnet das 11. Haus in der Astrologie. Die Autorinnen haben sie das Luftschloss genannte und genau dahin will ich zurück. Ins Wolkenkukusheim, wo man so herrlich mit Idee und Gedanken spielen kann.

Mag keine Schubladen, isst gerne Schokolade, liest und schreibt mit Freuden. Letzteres auch schon einmal über das Gelesene. Hat aber auch Spaß am Kochen und einfach mal die Wand angucken. Wohnort: Kiel und Wolkenkukusheim

2 Kommentare

  • annette

    Du. bist. Karin. Braun!
    Nimm irgendeinen Gegenstand, egal ob einen Stein, eine Gitarre oder eine Kaffeetasse – je nachdem, von welcher Seite man ihn betrachtet, sieht er immer anders aus, aber kein Anblick erfasst den ganzen Gegenstand! Genauso wenig zeigt irgendeine (Tätigkeits-/Berufs-) Bezeichnung die ganze Karin!
    Liebe Grüße und ein schönes, gern kreatives Wochenende!
    annette

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